Chaos im Kinderzimmer so klappt es mit der Ordnung

Chaos im Kinderzimmer: So klappt es mit der Ordnung

Lego zwischen den Puppenkleidern, Puzzleteile unter dem Bett, drei Kisten ausgekippt, weil irgendwo darin ein einzelnes Duplo-Teil gesucht wurde… Tja, wer Kinder hat, kennt dieses Stillleben aus dem Kinderzimmer wohl.

Das kommt unter anderem daher, dass Kinder aus Erwachsenensicht oft ohne erkennbares Konzept spielen. Sie holen viele unterschiedliche Spielsachen gleichzeitig hervor, kombinieren Bauklötze mit Kuscheltieren und Puppenzubehör, kippen beim Suchen ganze Kisten aus. Genau das ist wichtig für ihre Entwicklung: Kinder lernen, indem sie Materialien frei kombinieren und ausprobieren dürfen. Das führt dann zu dem bekannten Chaos, was irgendwie dazu gehört und normal ist.

Das Problem entsteht aber dann, wenn in dem Chaos irgendwann gar nichts mehr zu finden ist und Aufräumen jedes Mal zu einer Mammutaufgabe wird.

Damit du gemeinsam mit deinen Kindern wieder den Überblick im Kinderzimmer bekommen kannst und zügig aus dem Chaos wieder Ordnung werden kann, habe ich dir in diesem Blogartikel meine besten Tipps für mehr Übersicht und Ordnung im Kinderzimmer aufgeschrieben.

 

Inhalt:

  1. Erwartungen
  2. Ausmisten vor dem Ordnen
  3. Feste Plätze mit großen Systemen schaffen
  4. Routinen und Regeln für langfristige Ordnung
  5. Fazit

 

1. Erwartungen

Bevor irgendetwas umgeräumt wird, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die eigene Erwartungshaltung. Oft erwarten Eltern, dass ihre Kinder ihr Chaos auch selbst wieder aufräumen. Bis zur Grundschulzeit (und oft auch darüber hinaus) ist es aber utopisch zu erwarten, dass ein Kind ein ganzes Zimmer alleine in Ordnung bringt. Ein einzelnes Spiel wegräumen, mit dem es fertig ist, klappt oft schon gut. Aber ein ganzes Zimmer alleine aufzuräumen, überfordert die meisten Kinder in diesem Alter noch deutlich. Sie brauchen noch ganz praktische Unterstützung, liebevolle Führung und nicht nur Ansagen aus der Zimmertür.

Deshalb war mein erster Schritt zu mehr Ordnung im Kinderzimmer die Entscheidung, dass unsere Kinder im Kinderzimmer Chaos machen dürfen. Sie brauchen einen Ort zur freien und kreativen Nutzung, auch wenn es manchmal schwer sein kann das auszuhalten.

Das bedeutet natürlich nicht, dass wir das Kinderzimmer verwahrlosen lassen. Wann und wie wir aufräumen habe ich dir weiter unten beschrieben.

 

2. Ausmisten vor dem Ordnen

Wahrscheinlich wird es dich nicht überraschen, wenn ich dir sage, dass eine Voraussetzung für ein ordentlicheres Kinderzimmer ist, dass es nicht zu viel Spielzeug in dem Raum gibt. Kinder bekommen heutzutage oft regelmäßig neue Spielmaterialien und selten wird im gleichen Verhältnis aussortiert, weshalb sich immer Spielzeug anhäuft. Deshalb ist es wichtig erst einmal auszumisten, um einen Überblick über die Dinge zu bekommen.

Ich empfehle dir dein Kind in den Ausmistprozess miteinzubeziehen und nicht heimlich auszusortieren. Das ist mühsam, aber lohnt sich langfristig, weil es auch beim Kind über die Zeit ein Bewusstsein für das Spielzeug schafft. Natürlich gibt es auch Kinder, die sich nur schwer trennen können (wir haben auch eins), aber ich finde besonders diese sollten erst recht einbezogen werden.

Ich nutze als Zeitpunkt gerne anstehende Feierlichkeiten, wie Ostern, Geburtstag oder Weihnachten. Ich erkläre den Kindern dann, dass bald neue Geschenke kommen und die auch Platz brauchen. Gemeinsam gehen wir durch, was weg kann, im Sinne von Entsorgen, Verschenken, oder auch nur Zwischenlagern im Keller für später oder für Geschwister. Dieses „Zwischenlagern“ ist übrigens ein wichtiger Kompromiss: Nicht alles muss sofort und endgültig weg, manches darf erst einmal aus dem Sichtfeld verschwinden. Es fühlt sich für die Kinder weniger nach Verlust an, wenn sie selbst entscheiden dürfen, was gehen darf, auch wenn das bedeutet, dass am Ende weniger aussortiert wird, als ich mir manchmal wünschen würde. Das ist völlig in Ordnung. Jeder kleine Fortschritt zählt.

Falls ihr trotz dem Aussortieren immer noch sehr viel Spielzeug habt, könntest du dir überlegen, ob das Rotieren von Spielzeug eine Idee wäre.

 

3. Feste Plätze mit großen Systemen schaffen

Eine weitere Voraussetzung, damit Ordnung überhaupt möglich wird ist, dass jedes Ding einen festen Platz braucht. Wenn niemand weiß, wo das Spielzeug eigentlich hingehört, kann auch niemand aufräumen und es wird jedes Mal in eine andere Ecke oder Kiste geworfen und dann wieder gesucht. Deshalb muss jedes Teil einmal in die Hand genommen werden. Auch das erfordert Zeit, aber macht dir das Aufräumen auf Dauer viel leichter.

Für ein Kinderzimmer eignen sich dabei oft große, grobe Ordnungssysteme deutlich besser als kleinteilige Sortierung. Statt zwanzig kleiner Fächer für zwanzig Kategorien ist es für Kinder einfacher größere Kategorien zu bilden und beispielsweise eine Kiste für Lego Duplo, eine Kiste für Puppenkleidung, einen festen Platz für die Toni-Figuren, einen festen Platz für Verkleidungen, usw. einzurichten.

Kinder sind oft visuell veranlagt, weshalb du auch durchsichtige Boxen verwenden kannst. So sehen sie leicht, was wohin kommt. Ich persönlich finde, dass das aber optisch wieder Unruhe bringt, weshalb ich lieber Bildetiketten nutze. Das verstehen schon Kleinkinder und das Aufräumen wird fast zu einem Zuordnungsspiel.

Trotzdem gibt es bei uns auch eine Krimskramsschublade. Alles, was nicht klar in eine Kategorie passt, darf dort landen. Die einzige Regel: Sobald sie sich nicht mehr schließen lässt, wird gemeinsam ausgemistet. Das nimmt den Druck raus, für jedes einzelne kleine Ding sofort eine perfekte Lösung finden zu müssen.

Du kannst auch zusätzlich versuchen das Kinderzimmer in verschiedene Zonen einzuteilen, um feste und sinnvolle Plätze zu finden: eine Zone zum Kuscheln/ Lesen, Basteln/ Malen, Spielen/ Toben.

Hier findest du eine Liste mit praktischen Ordnungshelfern für’s Kinderzimmer.

 

4. Routinen und Regeln für langfristige Ordnung

Wenn das Kinderzimmer ausgemistet ist und jedes Ding einen festen Platz gefunden hat, geht es darum, wie langfristig Ordnung gehalten werden kann. Damit meine ich nicht, dass jedes Chaos vermieden werden soll, sondern wie Ordnung immer wieder einfach hergestellt werden kann.

Die Ansage „Räum dein Zimmer auf“ ist auf jeden Fall für den Großteil der Kinder eine viel zu große und unkonkrete Aufgabe. Deutlich besser funktioniert es, wenn die Aufgabe in kleine, klare Schritte zerlegt wird: „Nimm die Legosteine vom Boden und leg sie da in die Legokiste.“ Danach der nächste konkrete Schritt, und der übernächste.

Bei uns bedeutet das: Ich räume selten allein auf, während das Kind nicht Zuhause ist oder daneben steht und zuschaut, sondern wir machen das gemeinsam. Ich nehme mir eine Ecke vor, das Kind macht mit oder sucht sich einen anderen Bereich aus, und wir sprechen dabei, was gerade wohin gehört. So lernt es nach und nach das System kennen, statt nur zuzusehen, wie ich aufräume.

Es muss auch nicht täglich das ganze Zimmer bis ins letzte Detail perfekt aufgeräumt werden. Manchmal reicht es doch auch, wenn der Boden frei ist und die groben Kategorien einigermaßen stimmen. Bauwerke, an denen das Kind den halben Tag gearbeitet hat, dürfen ruhig auch ein paar Tage stehen bleiben.

Wie oft aufgeräumt wird, muss jede Familie für sich individuell entscheiden. Für manche passt es, wenn täglich jeden Abend mit einem Timer für 5 bis 10 Minuten oder bei einem Aufräumlied gemeinsam aufgeräumt wird. Für andere ist es in Ordnung, wenn lediglich der Weg zum Bett frei ist.

Aktuell sind unsere Kinder 3 und 5 Jahre alt und haben ein gemeinsames Spielzimmer, was wir einmal die Woche komplett aufräumen, damit der Boden gestaubsaugt werden kann. Unter der Woche stehe ich trotzdem regelmäßig vor der Kinderzimmertür und mir rutscht ein „oh mein Gott“ raus und ich frage die Kinder, ob sie aufräumen möchten oder, ob sie noch alles finden, was sie brauchen. Meistens sind die Kinder zufrieden und ich schlucke, aber ich übe nie Druck aus, damit sie aufräumen, nur weil ich das Chaos in ihrem Zimmer nur schwer ertrage.

Eine Regel, die sich bei uns bewährt hat (und wo ich persönlich auch nicht zu Kompromissen bereit bin), ist: kein Essen im Kinderzimmer. Zum einen finde ich nebenbei zu essen ohnehin nicht besonders förderlich, zum anderen verhindert diese Regel ganz praktisch, dass das Zimmer vollgekrümelt wird oder Essensreste unbemerkt in der Puppenkiste vergammeln.

Auch das regelmäßige Ausmisten sollte integriert werden. Wie bei 2. schon beschrieben, nutzen wir anstehende Feierlichkeiten, an denen Geschenke und somit neues Spielzeug einziehen wird.

Wichtig für das Finden von geeigneten Routinen finde ich das Bewusstsein, dass das Kinderzimmer ein Raum für das Kind sein sollte und nicht immer dem Ordnungsanspruch der Eltern genügen muss. Außerdem sollte für jedes Familienmitglied klar sein, welche Regeln und Routinen es gibt. Je nach Alter sollten die Kinder beim Treffen der Absprachen auch miteinbezogen werden. Denn Beteiligung führt oft zu mehr Akzeptanz und dadurch auch zu weniger Streitigkeiten.

 

5. Fazit

Am Anfang von mehr Ordnung im Kinderzimmer steht meist erst einmal ein größerer Kraftakt: gemeinsam ausmisten und für jedes Spielzeug einen festen, für die Kinder verständlichen Platz finden. Das kostet Zeit und Nerven, aber diese Grundlage macht das Aufräumen im Alltag danach viel einfacher und lohnt sich wirklich.

Erst wenn diese Grundordnung steht, können Routinen und klare, kleinschrittige Ansagen dafür sorgen, dass leichter und schneller nach dem Chaos wieder Ordnung einziehen kann.

Für mich hat die Einsicht, dass es nicht darum geht, ein perfekt aufgeräumtes Kinderzimmer nach Erwachsenenmaßstäben zu schaffen, für viel Entlastung und mehr Toleranz gesorgt und den Druck rausgenommen. Vielmehr geht es bei dem Projekt Ordnung im Kinderzimmer doch darum, dass unsere Kinder nicht im Chaos versinken, sich in ihrem Zimmer wohlfühlen und mit der Zeit lernen, selbstständig für ihre Sachen zu sorgen.

Das braucht Geduld, gemeinsames Üben und die Bereitschaft, auch mal ein liegen gebliebenes Bauwerk oder eine ausgekippte Kiste auszuhalten.

Wenn du die Schritte aus diesem Blogartikel umsetzt, wirst du merken, dass Aufräumen nicht mehr zu einem Kampf führen muss, sondern zu einer gemeinsamen Aufgabe wird, die mit der Zeit immer leichter von der Hand geht.

Ich wünsche dir ganz viel Erfolg!

 

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